Schwarzwald–Schwäbische Alb–Allgäu–Weg („HW5“)

Tipps, Anregungen & Wissenswertes

GPS Handgerät

Kartenmaterial & die Beschilderung

Ich habe wirklich Respekt vor der Leistung, die der Schwäbische Albverein bei der Beschilderung des Weges erbringt. Doch bei einer Wegstrecke jenseits 300 km und den zig Tausend Möglichkeiten eine Markierung zu übersehen würde ich mich hierauf niemals alleine verlassen wollen (Beispiel: Ortschaft Dätzingen hatte auf meiner zweiten Etappe die Straßenlaternen erneuert, die Wegmarkierungen fehlten daher). Ich rate absolut zu einem Outdoor GPS Gerät. Ich besitze wirklich viele der offiziell empfohlenen Wanderkarten, doch spätestens bei einem solchen Projekt ist die Anschaffung eines GPS Gerätes eine richtig gute Investition. Einfach meine verlinkten Tracks herunterladen, auf das GPS Gerät kopieren und lediglich anzeigen lassen (und nicht wie beim Auto eine Route navigieren lassen!), und man muss fortan nie mehr Schilder suchen bzw. erst einmal herausfinden, wo man sich denn nun eigentlich befindet. Wichtig: Kartenausrichtung in Fahrtrichtung einstellen (ich sehe oft Leute, die sich die Karte nach Norden ausgerichtet anzeigen lassen, und dann das GPS gar nicht so hilfreich finden…). Und ja, man möchte ein Farbdisplay mit Kartendarstellung. Und nein, man braucht kein großes Display auf das 10×10 Kilometer passen (man muss sich ja nicht mehr orientieren!). Und nein, ein Smartphone ist untauglich (Akkulaufzeit, Multitool statt Schraubendreher).

GPX Download: Track
GPX Download: Wegpunkte
freie Garmin Wanderkarte für Süddeutschland

Trekkingstöcke

Trekkingstöcke?

Ja, das sieht (zunächst) albern aus. Und ja, man kann auch ohne wandern. Und ja, man kommt sich anfangs damit komisch vor. Und ja, man kann zunächst nix mit neu angeschafften Trekkingstöcken so richtig anfangen. Aber ich hätte meine z.B. gleich auf der ersten Etappe sehr gerne dabei gehabt… Wie sagte meine Freundin: „In Gold aufwiegen.“ Ja! Zumal es auf dieser Wanderung steile Wege mit einer Oberfläche gemischt aus Erde, Laub, glattem Kalkstein und Wurzeln gibt – spätestens wenn es dann noch regnet will man Allradantrieb. Und ist Oberschwaben erreicht freut man sich, hat man die Gummipuffer für Asphalt gleich dazu gekauft.

Klamotten

Man tut heute so, als wäre das Wandern vor 5 Jahren noch gar nicht möglich gewesen – erst die moderne Hightech Ausstattung macht das überhaupt möglich. Meine kostet zusammengerechnet auch eine wahrlich stolze Summe. Aber: Mei, nimm mit was Du meinst was Du brauchst. Das wäre mal das Wichtigste. Beobachte, was Du wirklich verwendet hast, und packe künftig entsprechend. Liegen im Schrank 5 Pullover, nimm den mit der am wenigsten wiegt und seinen Zweck erfüllt. Optik ist irrelevant, Gewicht nicht. Es gibt aber dennoch ein paar Schneiderarbeiten, die ich Dir gerne ans Herz legen möchte:

Klamotten

Gehe davon aus: Du wirst nass werden, Dein Regenschutz wird Dich nicht einen ganzen Tag trocken halten können. Der Inhalt Deines Rucksackes aber muss trocken bleiben (Raincover!), und alles was Du bei Regen an hast muss in der Lage sein über Nacht zu trocknen.

Rucksack

Rucksack

Wählt man nicht den Winter und übernachtet in Hotels, kann man auf einer solchen Mehrtagestour bei gutem Equipment bequem mit 32 Liter Volumen auskommen. Reichen hingegen 50 Liter noch immer nicht, bietet sich eine Überarbeitung der Packliste an… Mein größter Mehrtagesrucksack fasst z.B. 40 Liter, und ist um 10 Liter erweiterbar. Genutzt habe ich diese Erweiterung jedoch selbst nahe dem Gefrierpunkt noch nicht.

Doch letztlich tut Volumen nicht weh, mehr Aufmerksamkeit gilt dem zu tragenden Gewicht: Bei einem solchen Rucksack rate ich zu einem am Rücken anliegenden Modell (solche, die mittels Gewebe versuchen einen luftigen Abstand herzustellen, taugen meines Erachtens hingegen nur als vergleichsweise leicht bepackte Tagesrucksäcke). Und der Hüftgurt sollte in der Lage sein Last abzutragen.

Bei der Recherche nach geeigneten Modellen mutiert ein integriertes Raincover schnell zu einem entscheidenden Kriterium. Aus meiner Praxis kann ich aber sagen: Völlig egal, man muss eben ein separat zu kaufendes beim Preisvergleich mit berücksichtigen. Doch eventuell hat man schon eines und kann es nun mehrfach verwenden? Und separat ist es sogar einfacher zu trocknen. Eigentlich will ich das gar nicht mehr integriert…

Zug in Biberach

Die Bahn

Einige Start- und Zielpunkte können mit der Bahn erreicht werden (das bedeutet aber auch mal 6 km Wegstrecke extra!). Doch um diese auch nutzen zu können genügt es nicht ausreichend Geld in der Tasche zu haben: Ich rate zu einer richtig üppigen Auswahl an 5 und 10 € Scheinen. In der Hoffnung, dass irgend ein Kartenautomat irgend einen hiervon auch nimmt… Oft lassen sich bessere Zugverbindungen finden, in dem man separate Verbindungen bis zu den typischen Umstiegsbahnhöfen sucht (und Umsteigen darf man hier häufig); Diese wären Ulm, Plochingen und Stuttgart. Zahlreiche Umstiege erhöhen allerdings keineswegs die Chance auf eine planmäßige Ankunft – bei mir war dies eine Größenordung von lediglich 50%…

Anforderung / Schwierigkeitsgrad

Auf einer allgemeinen Wikipedia Seite bezeichnete ein Autor den HW 5 als „leicht bis mittel“ – traurig, dass dort eine solche Einteilung überhaupt existiert. Denn:

auf dem Wackerstein

Man könnte jeden Tag mit dem Auto anreisen, 3 Kilometer laufen und wieder umkehren – dann dürften vermutlich nahezu 100% aller Wanderwege als sehr leicht eingestuft werden. Die beliebte Einstufung in Kategorien wie „leicht“, „mittel“ und „schwer“ ist für Fernwanderwege daher meist unsinnig. „Meist“ deswegen, weil man hierzu eigentlich nur drei Dinge getrennt betrachten müsste: Kondition (oft anpassbar via Etappenlänge), Technik und Ausgesetztheit. Und da es einem nichts nützt eher leichte Etappen zu haben, aber eine einzige gar nicht schaffen zu können, muss sich die Beantwortung dieser Frage meines Erachtens immer nach der schwersten Etappe richten: So wie ich den HW5 erlebt habe (und ich glaube manche meiner Etappen werden sich anders kaum realisieren lassen), ist die Anforderung an die Kondition definitiv als hoch einzustufen (vgl. Etappe 6), und die an die Technik als mittel. Die Ausgesetztheit hingegen kann man auf mittlerem Level erleben, aber auch vollständig vermeiden. Und nach der SAC-Wanderskala würde ich den Weg an den schwierigsten Passagen als „T2¼“ einstufen.

Respekt werden die Meisten zollen geht es um die klassische Alpenquerung auf dem E5 von Oberstdorf nach Meran. Auf dem HW5 läuft man letztlich die 3½fache Wegstrecke, überwindet dabei 30% mehr Höhenmeter (!), geht längere Tagesetappen, der anstrengendste Tag weist zugleich mehr Strecke und Höhenmeter auf (!), es gibt keine Materialseilbahn die einem den Rucksack abnimmt, und findet keine umsorgende Touristenbranche vor; Verglichen mit der typischen E5 Alpenquerung ist der HW5 anspruchsvoller – und das über einen längeren Zeitraum. Und wer nun meint man könne alpines Wandern aber nicht z.B. mit der Schwäbischen Alb vergleichen weil Wetter, Geröll, unpassierbar usw., der war noch nicht oft dort bzw. kennt meine Erlebnisse nicht.