Schwarzwald–Schwäbische Alb–Allgäu–Weg („HW5“)

Der Hauptwanderweg 5

am Ziel

Der vom Schwäbischen Albverein unterhaltene Weitwanderweg begegnet einem unterwegs mit unterschiedlichen Namen:

Er führt vom Nordrand des Schwarzwaldes bis ins Allgäu: Beginnend am Pforzheimer Kupferhammer orientiert sich die Streckenführung zunächst an der Würm, die in das Heckengäu überleitet. Vom Südtrauf des Naturpark Schönbuch geht es hinauf auf die Schwäbische Alb, und dort entlang der Großen Lauter weiter durch Oberschwaben bis ins württembergische Allgäu. Nach offiziell über 310 km und 6.600 Höhenmetern endet der Weg in der Adelegg auf dem Gipfel des Schwarzen Grat.

Das bislang wohl einzige „Buch“ über diesen Weg schrieb Willi Beck (ISBN 3-8062-0344-X, Konrad Theiss Verlag 1984). Auf je einer Doppelseite wird eine Etappe mit Kartenmaterial abgehandelt. Dieser Wanderführer ist an zahlreichen Stellen veraltet. Der Schwäbische Albverein stellte wohl einmal eine PDF Datei mit Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung – finden konnte ich es jedoch nicht. Verborgen blieb mir bislang auch das Alter dieses Weges: Nach 2 Jahren zur Beschilderung ist eine Fertigstellung zwischen 1978 und 1980 die einzige ungesicherte (!) Information, die ich in Erfahrung bringen konnte. Dafür wurde der komplette Weg im Juni 2013 vom Schwäbischen Albverein per GPS erfasst – und von mir im 2. Quartal 2014:

Nachgemessen

Die spärlichen Informationsquellen zum HW5 attestieren ihm gerne eine Länge von 320 Kilometer, während die einzige klassische und belegbare Quelle, Willi Becks Büchlein von 1984, mit lediglich 290 Kilometer geizt – und das bereits inklusiv Anschlussweg vom Schwarzen Grat weiter nach Isny! Dagegen ging der Weg laut Schwäbischem Albverein im Jahr 2013 über 311 Kilometer und 6.613 Höhenmeter. Meine 2014 erfolgte Erfassung mittels GPS und daraus resultierender Auswertung (also nicht einfach alle Wegpunkte aufsummiert!) besagt jedoch der HW5 selbst verlaufe über 302 Kilometer und 6.340 Höhenmeter (ohne Exkursionswege). Besichtigt man Felsen, Türme und Burgen läuft man mehr – und zu mancher Unterkunft oder Haltestelle muss man auch noch gelangen. Und so misst mein HW5–Abenteuer letztlich 342 Kilometer und 6.640 Höhenmeter. Und für Maximierer trumpfen meine aufgezeichneten GPS Daten gar mit 367 erwanderten Kilometern auf (und 10.330 Höhenmeter – Höhenmeter direkt aus einem aufgezeichneten Track sind zwar kommunikativ beliebt, gehöhren allerdings stets ins Märchenreich).

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Offiziell ist der Weg in 17 Etappen zwischen 6 und 28 km unterteilt (⌀ 18 km/Etappe; 1984 waren es noch 12 Etappen zwischen 17 und 31 km). Während ich diese Einteilung auf den ersten Etappen noch übernahm, musste ich auf späteren Etappen hiervon abweichen: Anreisen und Übernachtungsmöglichkeiten zwangen mich hierzu. Und so wurden daraus 15 Etappen zwischen 16 und 32 km (⌀ 23 km/Etappe).

Herausforderung & Perle

Der HW5 ist kein E5, kein Jakobsweg und kein Appalachian Trail: Er bietet nicht die von solchen Fernwanderwegen gewohnte Infrastruktur – ein sogenanntes „thru-hike“ ist hier kaum realisierbar. Viele Ortschaften sind nur schwierig mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, Campingplätze gibt es höchst selten, und sogar Hotels sind über weite Strecken Mangelware. Als der Weg konzipiert wurde stellte sich die Situation noch ganz anders dar…

Die schwierige Infrastruktur hat aber auch eine Kehrseite: Explizit den HW5 wandernd findet man sich alleine. Und der Weg bietet dem Wanderer zwar keine Highlights von Weltruhm, doch es sind unzählige Geheimtipps in besonderen Landschaften, zu denen der Weg führt. Der HW5 ist eine absolut eindrucksvolle Wanderung.